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Mein Praktikum in der Vorbereitungsklasse der Hellbergschule

Ein Bericht von Jennifer T., Schülerin am HTG in Lörrach.

Als ich grünes Licht für mein BOGY-Praktikum in der VKL-Klasse bekam, die seit September 2015 von Fr.Häger geleitet wird, stellten sich mir zunächst viele wichtige Fragen: Wie kann ich Kindern und Jugendlichen auf effektive Weise das lateinische Alphabet beibringen? Was sollte ich vermeiden und was ist besonders wichtig, wenn ich anderen die deutsche Sprache beibringen will? Werde ich überhaupt als „Lehrerin“ in meinem Praktikum von den Schülern ernst genommen?

Am 18.04.2016, meinem ersten Tag in der Klasse, wurden mir diese Fragen im Lehrerzimmer von Frau Häger beantwortet. Und zwar sei das Wichtigste zum Erlernen einer Sprache, dass man einfache Texte und klare
Visualisierungen von Wörtern benutze und Sprachanlässe auch nicht zu kurz kommen sollten. So war also der typische Tagesablauf, dass frühmorgens Verben abgefragt und Hausaufgaben besprochen wurden. Das zu konjugierende Verb musste vor allen Schülern laut und deutlich vorgesagt werden, und jeder noch so kleine Fehler wurde von Fr.Häger und mir korrigiert, damit sich das Richtige gut einprägen lassen konnte.

Nach der Pause teilte Fr.Häger die Klasse in zwei Gruppen ein; eine leistungsstärkere, die das lateinische Alphabet schon ein wenig beherrschte und eine etwas leistungsschwächere, die kaum oder überhaupt kein deutsch sprechen konnte. Diese Unterteilung der Klasse trug zur Förderung der Schüler bei, wie ich später merkte, da nicht alle Schüler einen gleichen schulischen Hintergrund hatten und die Klasse so sehr heterogen war. Ich konnte mit meiner Gruppe, der leistungsschwächeren, viel intensiver und konzentrierter arbeiten, da nun alle auf einem Sprachniveau waren. Das Thema in dieser Woche lautete „Lebensmittel“, woraufhin ich mit meiner Gruppe zwei Tage lang Plakate dazu gestaltete, mit Katalogen aus Supermärkten arbeitete und übte, wie man sich auf einem Markt mit dem Händler
unterhielt. Zu Hause bastelte und schnippelte ich weiter, um am nächsten Tag mit neuen Aufgaben und Arbeitsblättern gewappnet zu sein.

Ich achtete im Verlauf dieser Woche immer mehr darauf sehr deutlich und langsam zu reden, was mir anfangs schwer fiel, und ich wurde von Fr.Häger öfter mal daran erinnert, dass ich den Schülern nicht nur das Wort, sondern auch den Artikel nennen sollte. Schriftliches Arbeiten und mündliches Abfragen seien zwar eine beachtliche Grundlage, doch teilte mir Fr.Häger am vierten Tag mit, dass man durch handlungsorientierte Aufgaben am meisten zum Erlernen einer Sprache beitragen würde. Am 22.04.2016, dem letzten Tag meines Praktikums, gingen wir beispielsweise alle zusammen in den Supermarkt um Lebensmittel für einen Obstsalat zu kaufen. Zuvor hatten wir die ganze Woche lang geübt, wie die einzelnen Produkte hießen, wie ihr Artikel lautete und wann man nach „Wie viel kosten“ oder „Wie viel kostet“ fragte. Ich lief mit meiner Gruppe von Schülern durch die Gänge des Supermarktes und deutete auf verschiedene Lebensmittel, die sie mir benennen mussten. Manchmal wurde ein Wort so oft wiederholt, bis es endlich richtig ausgesprochen wurde, denn um eine Sprache erfolgreich zu lernen muss man zielstrebig und vor allem ausdauerfähig sein.

Später, als wir alle gemeinsam in der Küche den Obstsalat mit den gekauften Früchten vorbereiteten und uns unterhielten, herrschte eine angenehme Stimmung. Klar gab es während meines Praktikums auch kleinere Konflikte unter den Schülern, und manchmal wurden die Schüler gegen Ende des Unterrichts etwas unruhiger, doch gerade da war es als Lehrkraft sehr wichtig einen kühlen Kopf zu behalten und zu versuchen eine gute Lernatmosphäre zu schaffen. Meine Zweifel, ob ich als „Frau Tausch“ von den Schülern ernst genommen werden würde, wurden nicht bestätigt, denn ich wurde von allen Seiten respektiert. Besonders komisch war es für mich im Lehrerzimmer unter Erwachsenen zu sitzen und beim Schreiben eines Tests aufzupassen, dass keiner abschrieb. Das lag daran, dass die Situation sehr neu und ungewohnt für mich war, doch genau dafür ist so ein Praktikum bekanntlich da; Um Neues zu lernen und Erfahrung zu sammeln. Zusammenfassend hat mir diese Woche einen tollen Einblick in den Alltag einer VKL- Klasse verschafft. Ich denke, dass der Beruf Lehrerin, vor allem der einer Vorbereitungsklasse, äußerst bedeutend ist, da es etwas wirklich Nützliches für unsere Gesellschaft beiträgt. Sie integrieren, helfen und beschäftigen sich täglich mit den Themen Eingliederung und Bildung, die jeden einzelnen, ob jung oder alt, in Deutschland betreffen. Für mich war dieses Praktikum eine Erfahrung, die ich nicht vergessen werde, und ich finde, dass sich jeder mit der Partizipation von
Flüchtlingen auseinandersetzen sollte.

Ich danke der Hellbergschule und vor allem Fr.Häger für diese Erfahrung.




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